Bewertung von Kaffee

Die Beurteilung von Kaffee ist eine Wissenschaft für sich. Kein Wunder, daß immer wieder Kaffeemarken auftauchen, die mit Superlativen um sich schmeißen,  letztlich jedoch nur billigen Rohkaffee in die Tüten füllen. Und jeder vernünftigen Kaffee-Beurteilung entgehen Produkte wie Instantkaffee, Kaffee-Pads oder Kapseln sehr elegant, indem die Kaffeebohnen bereits verarbeitet sind. Hier kann für eine Qualitätsbeurteilung eigentlich nur noch den mageren Angaben auf dem Produktetikett geglaubt werden, oder eventuell das Gewicht der Einzelportion gemessen werden. Kaffeekenner bevorzugen schon aus diesem Grund den Kauf von ganzen Bohnen, die sie beurteilen können und in ihrer eigenen Mühle dann mahlen.

Achten Sie beim Kauf von gerösteten Bohnen auf folgende Details:

Verpackung:

Aromaschutzventil:
Der Kaffee sollte luftdicht verpackt sein.  Da frischer Kaffee nach dem Rösten noch lange Zeit ausgast (CO2) haben gute Kaffees ein Aromaschutzventil, daß die Packung vor dem Platzen schützt. Überprüfen Sie die Packung auf Löcher oder Risse, indem Sie ganz leicht drücken (Vorsicht, die Packung platzt manchmal leicht, dann müssen Sie kaufen!) Das Gas darf höchstens aus dem Ventil kommen.
Falls der Kaffee in Papiertüten verpackt ist, wie Sie sie oft in kleineren Röstereien bekommen, sollte der Kaffee vor Ihren Augen abgefüllt werden und rasch verbraucht werden (ca 1 Woche)

Haltbarkeitsdatum:
Wichtig: Oft sehr versteckt und schwer zu lesen, finden Sie auf jeder Packung einen Hinweis auf das Röstdatum, beziehungsweise auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Da das Mindesthaltbarkeitsdatum für Kaffee in Deutschland auf 2 Jahre festgelegt ist, können Sie damit auf das Röstdatum schliessen. Greifen Sie immer nach der frischesten Ware: Ein Röstdatum , daß nicht älter ist als ein halbes Jahr ist ein guter Wert. Bitte lassen Sie sich nicht erzählen, daß Kaffee wie Dosensuppe verpackt ist und auch nach Jahren noch wie frisch geröstet schmeckt. Bei Brötchen würden Sie es doch auch nicht glauben.. Auch luftdicht verpackt, gehen die flüchtigen Kaffeearomen verloren und die natürlichen Öle werden ranzig.

Voll entwickelt ist der Kaffee 4 Tage nach der Röstung, danach nimmt die Qualität langsam ab. Nach einem Jahr ist der Kaffee nur noch die Hälfte wert, nach 2 Jahren sind die feinen Fruchtsäuren sicher verflogen und der Geschmack wird muffig. Der österreichische "Kaffeeflüsterer" Leopold Edelbauer vom Institut für Kaffeeexpertenausbildung hat dazu Untersuchungen angestellt. (http://www.kaffee-experten.at/)

Kaffeebohnenfehler:

Röstung
Nehmen Sie eine Handvoll Kaffee und legen Sie die Bohnen in eine Untertasse. Die Bohnen sollten alle die gleiche Farbe haben. Negativ ist ein sehr "buntes" Röstbild,Sehr helle Bohnen deuten auf kranken oder unreifen Rohkaffee, schwarze, verkohlte Bohnen auf Röstfehler hin. Bei sehr dunklen Espressoröstungen tritt manchmal Öl aus, das auf der Oberfläche der Bohne in kleinen Tropfen zu sehen ist oder die Bohnen wie poliert aussehen läßt, ein Röstfehler der manchmal nur schwer zu vermeiden ist. Wenn Sie einige Bohenn zerbrechen, können Sie mit etwas Übung auch die Röstdauer erkennen. Industriell geröstete Kaffees sind oft innen noch heller als auf der Oberfläche.

Bruchbohnen und Öhrchen
Bruchbohnen und Verwachsungen sind unschön, aber geschmacklich kein Nachteil. Das gleiche gilt für Reste des Silberhäutchens,

Bohnenform und Bohnengröße
sollten möglichst gleichmäßig und groß sein. Allerdings sind die meisten Espressi Mischungen aus verschiedenen Arabica und Robustasorten. (meist 3-5 verschiedene Sorten)
Mit ein wenig Übung kann man aber durchaus die Unterschiede erkennen.

Schnitt
Kaffeekenner achten auch auf die Breite des s-förmigen Schnitt in der Kaffeebohne - Ist der recht schmal, deutet das auf den harten, langsam wachsenden Hochlandkaffee hin. Arabicas aus niedriger gelegenen Gebieten haben meist einen breiteren Schnitt und gelten als unedler. .

Verschrumpelte, unterentwickelte Bohnen
Wenn man genau hinsieht, erscheinen die Oberfläche mancher Bohnen etwas schrumpelig. (wie Orangenhaut) Auch das deutet auf kranke oder unreife Bohnen hin. Zerdrückt man diese mit dem Daumen, haben sie einen muffigen, alten Geruch. Das kommt "in den besten Tüten" vor, aber bitte nicht zu häufig!

Fremdkörper
Steine oder Äste sind ein KO-Kriterium - im reinsten Sinne des Wortes, denn Steine zerstören die Mahlscheiben Ihrer Mühle. Und falls Sie ein verkohltes Ästchen finden,  da ist ein Stein oft nicht weit!

Runde Bohnen
normalerweise wachsen in einer Kaffeekirsche stets 2 Bohnen heran. Es gibt aber auch Einzelkinder, Perlbohnen genannt. Sie sind qualitativ sehr hochwertig und werden oft schon auf der Plantage vor dem Einsacken aussortiert und als Spezialität verkauft.